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Donnerstag, 3. Juli 2008

Betancourt ist frei

Unglaublich. Da hat sich Uribe echt mal selbst übertroffen. Wenn das ganze so gelaufen ist, wie bisher gemeldet (1, 2, 3), dann Hut ab. Möchte mal wissen, seit wie langer Zeit diese Aktion vorbereitet worden ist. Vielleicht findet sich ja ausnahmsweise mal ein Journalist, der das ganze recherchiert?!

Donnerstag, 26. Juni 2008

Antonio Costa vom UNODC über die Entwicklungen im Drogengeschäft

BBC NEWS | Special Reports | UN warns of rebel-held drug surge
"It was an unquestionably successful campaign against armed groups and drug traffickers alike. In the future, with the Farc in disarray, it may become easier to control coca cultivation."


Oh ja? Lieber Herr Costa, ganz im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung haben die FARC das Drogengeschäft leider nicht erfunden. Im Gegenteil, sie sind erst relativ spät ins Geschäft eingestiegen, nachdem Koka zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor wurde. Wie es dazu kam? Aufgrund erhöhter Kontrollen in Peru und Bolivien verlagerte sich in den 1990er Jahren der Anbau der Kokapflanzen zunehmend nach Kolumbien, wo vorher fast nur nur die Verarbeitung zu Kokain vorgenommen und der Export in die USA organisiert wurde. In den 80er Jahren waren daher in Kolumbien v.a. unabhängige Kartelle im Business, Paramilitärs in kleinerem Ausmaße bzw. in Kooperation mit den Kartellen, Guerillas praktisch überhaupt nicht. Als sich aber der Anbau zu verlagern begann, stieg die Beteiligung von Paras und Guerillas sprunghaft an - logisch, wird doch eine illegale Pflanze v.a. in abgelegenen Gegenden abgebaut, wo die staatliche Präsenz gering ist.

Wenn nun also die FARC den Kampf aufgeben oder verlieren, was wird passieren?
Nach Costa wäre das Problem Kokain für die Welt gelöst. Nach meiner These (und aller geschichtlichen, politischen und wirtschaftlichen Vernunft) wird der Anbau sich hingegen erneut verlagern, sofern nicht schnell genug ein neuer Akteur den Anbau in Kolumbien übernimmt. Und zwar entweder zurück nach Peru und Bolivien oder aber auch nach Brasilien. Der zukünftige Hot Spot im Business dürfte aber Subsahara-Afrika werden. Die klimatischen Bedingungen dort sind für die Kokapflanze wunderbar, die Kartelle haben dank der Afrika-Routen schon Kontakte in der Region, darüber hinaus gibt es in der Ecke genug Länder ohne ausreichende staatliche Kontrolle.

Es treibt mich in den Wahnsinn, Woche für Woche die gleichen Sprüche von offenbar blinden Drogenfunktionären in der Presse zu lesen. Eines Tages wird hoffentlich die Vernunft siegen und eine Überwindung der verfehlten Verbotspolitik (die nun schon seit 1906 erfolglos ist) stattfinden.

Mittwoch, 25. Juni 2008

US Admiral Nimmich has some lessons to learn...

Ein Spiegel-Interview mit US-Admiral Joseph Nimmich zum Thema Kokainhandel.
Daraus hier einige überraschende Zitate mit meinen Anmerkungen.

Nimmich: Haben wir den Fluss der Drogen nach Amerika eliminiert? Nein. Aber wenn gewinnen heißt, dass wir genügend Drogen beschlagnahmen, um das Angebot zu reduzieren, dann gewinnen wir.

Ich: Nein, den Drogenkrieg gewinnen heißt nicht, genügend Drogen zu beschlagnahmen, um tolle Zahlenspiele an die Presse verkaufen zu können. "Den Drogenkrieg gewinnen" heißt in einer Minimaldefinition, die Verfügbarkeit von Drogen in den Zielländern zu reduzieren, was sich dann in steigenden Preisen äußert. Ist das passiert? Nope.

Nimmich: Der Schmuggel von Drogen ist eine der größten Bedrohungen für die Nationale Sicherheit der USA. Wenn die Händler Drogen bewegen können, dann auch Geld, Terroristen oder Massenvernichtungswaffen.

Ich: Die These, Drogenhändler würden als nächstes sagen wir mal Atombomben in die USA schmuggeln, halte ich zunächst mal für sehr gewagt. Zu gut wissen die Jungs, dass sie dann wirklich Probleme kriegen würden. Doch davon mal ganz abgesehen: wenn Sie besorgt sind, dass die Händler immer besser werden (Thema im Interview war der zunehmende Transport von Drogen auf Do it yourself-U-Booten, siehe dazu auch den Link von neulich auf der Presidenz), warum tun sie dann alles aus marktwirtschaftlicher Sicht mögliche, um das Business weiter zu professionalisieren? 100 Jahre Kampf gegen die Drogen haben gezeigt, dass militärischer, politischer und polizeilicher Druck auf den illegalen Handel stets nur zu Verlagerung und Professionalisierung führt, aber niemals zum Sieg.

SPIEGEL ONLINE: Und wie kommt das Baumaterial dort hin?

Nimmich: Alles kommt auf kleinen Booten, nichts über den Landweg. Die Narko-Gangs bringen so selbst schwere Dieselmotoren in den Dschungel. Ein Teil dieses speziellen Problems: Wie schaffen die Schmuggler das, und wie machen sie es, dass es niemand merkt?

Ich: Ist diese Frage etwa ernst gemeint? Na klar, der kolumbianische Präsident Uribe möchte sein Land gerne als "im großen und ganzen unter Kontrolle" verkaufen. Aber von wegen! Unabhängige Drogenkartelle, paramilitärische Gruppen und die Guerillas sorgen schon dafür, dass das Geschäft weiter läuft. Von polizeilicher Korruption mal ganz abgesehen. Darüber hinaus: glauben Sie wirklich, es wäre so schwer, Dieselmotoren, Stahlteile und Werkzeuge auf Routen zu transportieren, die sonst dafür genutzt werden, dutzende Tonnen Kokain zu verschiffen? Na sehen sie...

Sonntag, 22. Juni 2008

Drug smuggling submarines

Fotos hier. Erinnert mich an die Geschichte, als kolumbianische Drogenfahner in den 90ern ein Schmuggler-U-Boot in Bogotá fanden. D.h. auf 2.600m Höhe, mitten in den Anden, hunderte Kilometer vom Meer entfernt. Der Plan war wohl, das Ding in Einzelteilen an die Küste zu schaffen und dann von dort aus durchzustarten...

Donnerstag, 19. Juni 2008

Köln am Mittag

Interessant. Kolumbianische Hormigas Culonas ("Großarschige Ameisen") gibt es nun auch bei Edible zu kaufen. IMHO schmecken sie übrigens nur deshalb nach Bacon und gerösteten Erdnüssen, da sie halt fritiert sind und da ja nun auch nicht sooo schrecklich viel dran ist, dass man noch was anderes als Fett schmecken könnte. Als Partygag aber dennoch eine große Nummer.
Beleidigend hingegen geradezu, wie Edible auf der Karte Kolumbien nach Südostasien verlegt. Bei 12,95 Pfund Sterling pro 25 Gramm dürfte die Gewinnspanne noch größer sein als bei Kokain, das da wohl bisher bei kolumbianischen Produkten führend war. (via)

Apropos Kokain: das Two Weeks Notice Blog weist darauf hin, dass der Drogenkrieg immer gewonnen wird - egal, ob der Koka-Anbau zu- oder abnimmt! Großartig, warum auch von verfehlten policys Abstand nehmen?



Darüber hinaus muss ich auf die fliegenden Supermarktbesucher von Denis Darzacq natürlich ebenso hinweisen, wie auf die tolle Wordle-Webapplikation. Beispiel siehe oben (entstanden aus einer noch unveröffentlichten Kurzgeschichte). (via - via)

Samstag, 14. Juni 2008

War without end

Das irische Fernsehen RTE News hat eine sehenswerte Reportage zum weltweiten Krieg gegen die Drogen auf ihrer Homepage veröffentlicht. Sehr solide gemacht, allerdings bleiben zwei wichtige Faktoren (zwangsweise, in einer einstündigen Sendung) unberücksichtigt: einerseits der kulturelle Aspekt des Drogenkonsums, und andererseits die Beziehung von Drogenpolitik zu anderen Politikfeldern. Drogenpolitik kann IMHO nie isoliert betrachtet werden, sondern ist immer auch als Außenpolitik, als Wirtschaftspolitik oder als Aufstandbekämpfungspolitik zu sehen. So verwundert es auch nicht, dass der kolumbianische Vizepräsident Francisco Santos sicherlich nicht ernsthaft Alternativen zur militärischen Hardliner-Variante des "war on drugs" in Erwägung ziehen wird, die für ihn schließlich gerade für die Aufstandsbekämpfung (gegen die Guerrillas) erfolgversprechend ist. Den Erfolg dieses Ansatzes auf der Drogenseite kann man gerade dieser Tage mal wieder sehen: der Kokaanbau in Kolumbien ist von 78.000ha 2006 auf 98.000ha im letzten Jahr gestiegen.


Dienstag, 10. Juni 2008

Chemotherapie?!

Über diesen Argh-tikel hatte ich mich auch schon geärgert. Großes Dankeschön ans CIP Colombia-Blog, das den journalistischen Dünnschiss von Ms. O´Grady geraderückt!


Freitag, 30. Mai 2008

Amazonas-Indianer

Auf der Seite der BBC gibt es Bilder von einem bisher unkontaktierten Indianerstamm im Amazonas an der Grenze zwischen Brasilien und Peru. Offenbar wurden diese von der Regierung geknipst, um Beweise für ihre Präsenz zu haben und die wirtschaftliche Ausbeutung der Region zu stoppen.
Das sind wirklich unglaubliche Bilder, rot angemalte Männer stehen vor ihrer Hütte mitten im Urwald und bedrohen das Flugzeug mit Pfeil und Bogen. "They are almost certain not to understand what the plane is - perhaps a spirit or a large bird." (Miriam Ross, Survival International (Seite momentan wohl überfordert), bei der Daily Mail, via)

In irgendeinem US-Magazin gab es vor einigen Malen mal einen super Artikel zu der brasilianischen Behörde, die sich um die Kontaktaufnahme zu solchen Völkern kümmert - sofern sie nötig werden sollte. Finde ihn leider nicht mehr, reiche ihn vielleicht die Tage mal nach.

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